Von Auto über Bier bis Schokolade

Börse für historische Werbeobjekte lockt Händler und Sammler aus weitem Umkreis

 

 

Ikonische Motive auf hohem Niveau bietet Händler Tom Weiskircher aus dem Saarland an. Unten: ein seltenes Emailschild von Sinner Backpulver aus Karlsruhe. Foto: Volker Knopf
Von Volker Knopf
Karlsruhe. Dass hier eine Veranstaltung von hoher Strahlkraft stattfindet, verkünden schon die Autokennzeichen vor der Durlacher Festhalle. Aus Frankreich, Schweiz, Luxemburg und ganz Deutschland parken hier Fahrzeuge. Eigens aus der Nähe von Wien kam Kurt Gruber zu der Börse für historische Werbeobjekte. „Das sind 700 Kilometer ein Weg. Aber das lohnt sich. Hier trifft man andere Sammler“, sagt der Standbetreiber. Er sammelt, wie die meisten, Emailschilder aus der Hochzeit dieser Werbeträger. Es sind die 1920er und 1930er Jahre. Sein Fokus liegt auf Automobilia-Motiven. Eine etwas kürzere Anreise hatte Alex Sacher aus der Nähe von Basel. Bier und Tabak zählen zu seinen Sammelgebieten.
Der Markt für die historische Reklame boomt. Zu den führenden Auktionatoren zählt Marc Trapp aus Worms. 2022 ging bei ihm das Schweizer Schokoladen-Schild mit dem „Frigor Eisbär“ für 215.000 Euro plus Aufgeld an einen solventen Kunden. Zu den Gründen des Booms meint er: „Der Markt wird internationaler und virtueller. Es sind meist ikonische Motive in hervorragender Qualität, die sehr rar sind. Im Grunde funktioniert das wie der Kunstmarkt.“ Es geht aber noch mehr. 2025 wurde ein Rekordpreis erzielt. Bei einer Micky-Waue-Auktion wurde ein Mercedes-Schild für 740.000 Euro veräußert. Der Hammerschlag kam von einem Karlsruher Auktionator.
In Durlach gehen jedoch Schilder meist für einige Hundert bis tausend Euro über den Tresen. Und zwar Originale aus der Zeit. Keine Replika oder Fakes, die auf alt getrimmt wurden. Zu den Urgesteinen der Szene zählt Martin Hucker aus Pfinztal. Er sammelt seit den 1980er Jahren, als die sogenannte Blechpest noch in Gartenlauben hing. Von Ende der 1990er Jahre bis 2015 organisierte er selbst einen Sammlertreff. „Emailschilder sind faszinierend. Dick emailliert, brennfrische Farben – sie waren auf Langlebigkeit ausgelegt“, sagt der Kenner. Er sammelt Brauerei-Schilder aus der Region. Auf der Börse hat er ein Schild der einstigen Karlsruher Brauerei Schrempp mit einem Greif von etwa 1905 dabei. Ebenso bietet er Brauerei-Schilder aus dem Elsass oder Offenburg an. Von Entwürfen im Art-Déco-Stil ist Ilona Leimeister begeistert. „Die Grafik, die strenge Geometrie. Kunstgenuss pur.“
Zu den international am besten vernetzten Händlern zählt Tom Weiskircher. „Die Börse hier ist mit die wichtigste in Deutschland und der Auftakt in die Saison“, betont der Saarländer. Mit Trapp hat er ein Hochglanz-Magazin zu exquisiten Schildern lanciert. Zu den Haudegen der Szene zählt Udo Eisele alias „Antik Fips“. Der Händler aus Gaggenau-Michelbach sammelt seit gut 50 Jahren. Nach Durlach hat er das Motiv des „Dapol-Indianers“ oder des Badischen Staatstheaters gebracht. Zufrieden mit der Resonanz ist Mitorganisator Karlheinz Bräutigam. Und zwar so, dass erstmals am 5. September 2026 eine zweite Börse im Jahr in Durlach stattfindet.